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Farben, Psychologie und Design

Wenn es um Design geht, wird eine Menge über Bilder, Menü-Platzierungen, Schriftarten, Call-to-Action-Buttons und andere Dinge geredet. Aber eines über das man eher selten redet, ist die richtige Farbauswahl. Gerade kleine Unternehmen starten oft mit einer vaagen ästhetischen Idee („Es soll einfach gut aussehen!“) und machen sich eher weniger Gedanken um Farben – aber das ist eine verschenkte Chance, denn Farbpsychologie ist eine echte Wissenschaft – eine die Du dir zunutze machen kannst.

Farben sind nicht einfach austauschbare Dekoration, sie haben eine Bedeutung: sie vermitteln Stimmungen, Emotionen, ein Image. Es hat schon seinen Grund, warum Unternehmen und Organisationen mit einer starken Umwelt-Message fast immer ein kräftiges Grün wählen und warum Erotik-Anbieter fast durchgehend Rot oder Pink verwenden.

Erfolgreiche Unternehmen haben das längst verstanden und verwenden Farbpsychologie für ihre Logos, Produkte und oft sogar unterschiedliche Farben für unterschiedliche Produktreihen.

Also warum solltest Du dir diese Assoziationen nicht zunutze machen?

Farbwahl

Suche dir eine Farbe aus, die für dein Logo, deine Marke, deine Produktreihe oder ein Produkt passt. Du kannst auch mehrere wählen, aber je mehr Du nimmst, desto genauer solltest Du wissen was Du da tust. Denn zu viele Farben können nicht nur leicht ästhetisch miteinander in Konflikt kommen, es verwässtert auch die Botschaft.

Also sehen wir uns mal die Farben an und was diese für dich tun können:

Gelb – positiv, energiegeladen, warm, erregt Aufmersamkeit – wie die Sonne

Schonmal einen Smiley gesehen?

Gelb weckt Gefühle von Positivität, Selbstbewusstsein, emotionaler Stärke und Kreativität. Wird es allerdings übermäßig (oder im falschen Farbton) benutzt, kann das auch in Angst, Stress und andere negative Emotionen umschlagen – das weckt Erinnerungen an Warnschilder.

Auf jeden Fall kann Gelb die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Außerdem wirkt es appetitanregend. Die Lebensmittelbranche bentuzt Gelb gerne für ihre Verpackungen, um potentielle Käufer zu impulsiven Entscheidungen zu verleiten.

Rot – lebendig, leidenschaftlich, herzlich – wie rote Rosen

Rote Farbe provoziert Emotionen, egal ob frisches Verliebtsein oder Trennungsschmerz. Und genau wie Geld weckt es Aufmerksamkeit.

Aber weil es ein zweischneidiges Schwert ist, sollte man es sparsam und gezielt nutzen – um die Aufmerksamkeit des Kunden auf sich zu lenken ohne gleichzeitig negative Emotionen zu wecken. Die Lebensmittelindustrie nutzt Rot um eine Leidenschaft für gutes Essen und Genüsse zu transportieren, während Geschenkartikelhersteller Gefühle gegenüber anderen Personen ansprechen.

Blau – ruhig, kühl, zuverlässig – wie das Meer

Schonmal das tiefe, blaue Meer gesehen? Schonmal bemerkt wie beruhigend und friedlich sich das anfühlt? Blau ist eine natürliche Farbe, ähnlich Grün, aber nicht ganz so prominent (schonmal vom Blauen Planeten gehört?).

Es wirkt kühl, rational, zuverlässig und überlegt – deswegen ist es eine beliebte Wahl für Branchen die Vertrauen beim Kunden aufbauen wollen, zum Beispiel in der medizinischen und Pharmaindustrie. Auch das Logo von Facebook ist blau – ein Unternehmen dem viele Menschen einen Gutteil ihrer Privatsphäre anvertrauen (ja, man kann darüber streiten ob sie das Vertrauen verdient haben, aber das ist der Effekt den sie damit erzielen wollen).

Die andere Seite von Blau ist kalt und distanziert, ein Effekt der ein bisschen vom exakten Farbton abhängt (sehr helles Blau ist besonders anfällig dafür). Deswegen vermeiden zum Beispiel Lebensmittelhersteller diese Farbe.

Grün – erfrischend, friedlich, wachsend, in Balance – wie ein Garten

Grün ist die Farbe der Natur, eine Farbe die man mit Entspannung verbindet. Wer gestresst von der Arbeit ist, fährt „raus ins Grüne“, ein direkter Kontrast zum vergleichsweise hektischen Stadtleben. Grün verspricht neue Energie, Balance und Harmonie. Marken mit einem besonderne Gewicht auf Umweltfreundlichkeit benutzen besonders gerne Grün.

Grün ist aber auch die Farbe des Wachstums und wird auch mit Geld in Verbindung gebracht, daher entscheiden sich auch manche Banken und Finanzdienstleister dafür.

Verbreitete negative Konnotationen von Grün sind Neid, Eifersucht und Gier. Besonders grelles Grün kann auch Assoziationen zu Unnatürlichkeit, Gift, Radioaktivität und anderen unangenehmen Dingen wecken.

Purpur – spirituell, einfallsreich, mysteriös, königlich – wie ein Edelstein

Purpur ist eine selten genutzte Farbe, was zu seinem wertvollen, noblen Image beigetragen hat. Es weckt auch mystische, spirituelle und kreative Gefühle.

Zu viel Purpur kann aber leicht ablenkend wirken, daher wird es selten als Primär- oder einzige Farbe genutzt, sondern bevorzugt im Zusammenspiel mit einer anderen Farbe.

Unternehmen die ein Gefühl von Spiritualität, Exklusivität oder Hochwertigkeit wecken wollen, verwenden oft Purpur.

Orange – energetisch, spaßig, enthusiastisch und kraftvoll – wie der Herbst

Orange ist eine weitere Farbe die sofort ins Auge fällt. Sie erweckt Gefühle von Energie, Spaß und Begeisterung. Wie auch Gelb, wird es manchmal für Hinweise und Warnungen genutzt.

Marken die vor allem mit Spaß assoziiert werden wollen, greifen gerne auf Orange zurück.

Zudem hat Orange motivierende Wirkung; das macht es zur Farbe der Wahl für Unternehmen die ihre Kunden motivieren wollen, zum Beispiel Hersteller von Bildungsliteratur oder Sportartikeln.

Schwarz – Macht, Kontrolle, Ernsthaftigkeit, Fortschrittlichkeit – wie die Men in Black

Denk mal an große gesellschaftliche Ereignisse – all die schwarze Anzüge und Kleider. Denkt man da nicht gleich an Geld, Macht und Einfluss? Oder denk an einen schwarzen SUV – hast Du da nicht das Gefühl, als wenn da gleich die Men in Black aussteigen könnten?

Schwarz steht für Ernsthaftigkeit, Reife, Kontrolle und Ernsthaftigkeit, mit einem kleinen Schuss Modernität und Fortschritt. Es ist eine sehr beliebte Farbe für hochklassige Produkte, zum Beispiel Automobile.

Aber auch schwarz auch negative Konnotationen. Zunächst einmal erinnert es an Depression und Tod – unschön. Außerdem ist die Farbe der Wahl vieler realer und fiktiver Bösewichte (man denke nur mal an Mafiosis in schwarzen Anzügen). Und nicht zueletzt erinnert es bei übermäßigem Gebrauch an die Depri-Phase eines Teenagers der fünf Minuten über Gothic-Kultur gegoogelt hat und dann alle seine farbigen Kleidungsstücke verbrannt hat. Alles keine schönen Assoziationen. Deswegen gilt für Schwarz noch mehr als für alle anderen Farben: gezielt einsetzen und nicht übertreiben.

Braun – stabil, strukturiert, sicher, stark – wie ein Berg

Gleich nach Grün ist Braun einer der häufigsten Naturtöne. Menschen verbinden es vor allem mit Stabilität, Beständigkeit und Stärke – wie der Erdboden oder ein Baum. Braun bietet Stärke für sich und andere – deswegen geraten Möbel im Holzlook niemals ganz aus der Mode.

Unternehmen mit einem Fokus auf Natur oder die physische Unterstützung ihrer Kunden verwenden gerne Braun, allerdings selten exklusiv und meist in Verbindung mit einer anderen Farbe. Übermäßig genutzt wirkt Braun allerdings dröge, langweilig oder – schlimmer noch – weckt Assoziationen mit Fäkalien oder Faschismus. Also ein bisschen vorsichtig damit, gerade wenn es um Logos oder Kleidung geht.

Weiß – Frieden, Reinheit, Unschuld und Sauberkeit – wie eine Perle

Weiß gilt als ruhig, friedvoll und stabil, ebenso wie sauber, unbefleckt und hygienisch. Das ist eine mächtige Kombination. Allerdings ist es nicht ganz einfach es optimal zu nutzen, denn Weiß wird oft nicht als eigene Farbe, sondern als Abwesenheit einer anderen Farbe wahrgenommen. Wenn das passiert, sieht es einfach nur aus als ob deinem Logo etwas fehlt oder als ob keiner Lust hatte deine Wand zu streichen.

Zu den negativen Seiten von Weiß gehören das Gefühl von Kälte, Sterilität und Einsamkeit. In vielen asiatischen Kulturen steht weiß zudem für Tod und Trauer – das solltest Du bedenken wenn Du auf die dortigen Märkte abzielst.

Gold – Status, Luxus, Wohlstand, Charme – wie eine goldene Krone

Gold gilt als das edelste unter den Metallen. Olympische Athleten wetteifern um goldene Medallien, Monarchen tragen goldene Kronen, Staaten lagern ihren Reichtum in Goldbarren. Ihm haftet eine Aura von Wohlstand an, aber auch Charme, Selbstbewusstsein und Luxus. Auf der anderen Seite kann es aber auch als Ego, Angeberei, Gier oder Selbstüberhöhung interpretiert werden.
Darum wird es selten als Primärfarbe verwendet, sondern bevorzugt um andere Farben hervorzuheben. Wenn Du nicht gerade mit Edelmetallen handelst, sollte das Gold nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

 

Der Einsatz

 

Wenn Du bis jetzt ein bisschen aufgepasst hast, hast Du wahrscheinlich gemerkt, dass jede Farbe zwei Seiten hat – eine positive und eine negative. Das beste Rezept um die negativen Effekte zu vermeiden ist es, eine Farbe nicht übermäßig zu verwenden. Balance ist hier der Schlüssel.

Aber wie machst Du dir diese Effekte am besten zunutze? Farbpsychologe Faber Birren hat eine kleine Umfrage abgehalten um herauszufinden welche Farbe Menschen am ehesten mit einer bestimmten Emotion oder Idee assoziieren.

Angst: 41% empfinden Furcht vor Rot, gefolgt von 38% mit Schwarz
Erschwinglichkeit: 26% empfanden orangene Produkte als am erschwinglichsten, gefolgt von 22% mit Gelb und 13% mit Braun
Geschwindigkeit: 76% verbinden die Farbe Rot mit Geschwindigkeit.
High-Tech: Wenn Leute an High-Tech denken denken 26% von ihnen an Schwarz, und je 23% an Blau oder Grau.
Hohe Qualität: Schwarz liegt hier mit 43% vorne, gefolgt von Blau mit 20%.
Mut: 29% der Menschen fühlen sich mutiger wenn sie Purpur ausgesetzt sind, gefolgt von 28% mit Rot und 22% mit Blau.
Sicherheit: 28% der Befragten gaben an, dass sie sich mit Blau sicher fühlen. 16% gaben Schwarz an und 12% wählten Grün.
Spaß: Für 28% ist Orange die Farbe die Spaß verspricht, gefolgt von 26% mit Gelb und 17% mit Purpur.
Vertrauen: 34% wählten Blau als die Farbe ihres Vertrauens, gefolgt von 21% mit Weiß und 11% mit Grün.
Zuverlässigkeit: Auch hier liegt Blau wieder mit 43% vorne, gefolgt von Schwarz mit 24%.

Zusammenfassung:

Wenn Du Farbe eine wichtige Rolle in deiner Marketingstrategie einräumen willst, dann behalte immer die Balance im Auge. Der nächste Schritt ist dich zu fragen, welche Gefühle Du in deinen potentiellen Kunden auslösen willst. Motivation? Spaß? Innere Ruhe?

Auch wenn Du mehrere Emotionen triggern willst – kein Problem. Schreib sie auf. Tatsächlich wird deine Marke sogar größere Wirkung haben, wenn Du es schaffst, verschiedene Gefühle zur gleichen Zeit auszulösen. Das macht es für den Kunden schwieriger, die ausgelösten Gefühle einfach zu ignorieren.

Sobald Du die perfekte Kombination aus Farben und Emotionen geschaffen hast, mache sie zu einem festen Teil deiner Marketingstrategie.